Im September 2021 wird sie veröffentlicht, erreicht in kürzester Zeit 142 Millionen Aufrufe und hat seitdem nicht an Beliebtheit abgebaut – Die Rede ist von der südkoreanischen Dramaserie „Squid Game“, welche nun unangefochten auf Platz Eins der Netflix-Charts steht. Somit stellt sich jedoch auch die Frage, was die Auslöser für diese Popularität sind und ob diese vielleicht sogar gefährlich sein könnten?
Eines ist klar: Die Serie hat ein besonderes Aufsehen bei Jugendlichen und Kindern erregt, obwohl sie erst ab 16 Jahren empfohlen wird. In der Serie geht es um den spielsüchtigen Vater Gi-Hun, der so weit in die Geldnot rutscht, dass er sich gezwungen fühlt, bei dem sogenannten „Squid Game“ teilzunehmen. Bei diesem Wettbewerb gibt es 456 Teilnehmer, die alle um das letztendliche Preisgeld gegeneinander spielen. In insgesamt 6 Spielen müssen sich die 456 Spieler beweisen und dem Tod entfliehen, denn eines war vor der Teilnahme am Spiel nicht klar: Mit dem Verlieren des Spiels wird man von den Wächtern umgebracht, bis zum Schluss nur noch ein Spieler überlebt. Netflix, eines der weltweit bekanntesten Medienunternehmen mit einem jährlichen Umsatz von 25 Mrd. US$ und 9400 Mitarbeitern, produziert die Serie selbst und ermöglicht somit 213 Millionen Kunden, die Serie zu schauen.
Nichtsdestotrotz sind Gewalt, Ermordung und Suizid Themen, die bildlich dargestellt werden und vermutlich auch Teil der Erfolgsstrategie sind, denn sie werden in Form von Kinderspielen verpackt und präsentiert. Diese Verharmlosungen erweckt hauptsächlich das Interesse der Kinder im Alter von 6-14 und führt sogar zur Nachahmung von Spielen der Serie, wie zum Beispiel „Rotes Licht, grünes Licht“. Das Nachspielen dieser Spiele, die auch in der Anwendung von Gewalt enden, ist keine seltene Beobachtung auf deutschen Pausenhöfen. Wie der Spiegel beispielsweise berichtet: „Statt Erschießungen gab es Ohrfeigen. (…)“ ist eine der vielen Ideen, die bei den Kindern ausgelöst werden. Die Einfachheit der Nachahmung als auch die Tabuthemen, die innerhalb der Serie angesprochen werden, sind also ein Kern der Erfolgsstrategie und reißen vor allem Kinder und Jugendliche mit.
Darüber hinaus spricht die Serie gesellschaftskritische Themen in einem Umfang an, der mehr als außergewöhnlich für eine Netflix-Produktion ist. Die Schere zwischen Arm und Reich, der Umgang mit Geld (mit dem Fokus auf Spielsucht), Suizid und vieles mehr sind Teil des Themenbereiches, die „Squid Game“ in nur neun Folgen anspricht. Das führt zu Interesse bei der älteren Zuschauerschaft, die die Serie aus einer gesellschafts- und systemkritischen Perspektive betrachten möchte. Dort gilt die Serie nämlich als innovativ oder sogar aufrüttelnd, da Probleme des Gesellschaftssystems, trotz unterschiedlichem Standort, illustriert werden.Diese Illustration bezieht sich jedoch stark darauf, die Probleme der Teilnehmenden im Spiel zu individualisieren und auf Einzelschicksale zu konzentrieren, die sich aus den unterschiedlichsten Beweggründen voneinander unterscheiden, weswegen von einer Systemkritik nicht die Rede sein kann.
Grundlegend wird deutlich, dass eine Vielzahl an Auslösern verantwortlich für die Beliebtheit der Serie ist; nicht zu vernachlässigen ist jedoch die Einfachheit als auch Brutalität der Serie, die den Kindern und Jugendlichen zusagt. Dementsprechend kann also auch davon ausgegangen werden, dass „Squid Game“ eine Gefahr für diese darstellen kann. Die Psychotherapeutin Katajun Lindenberg schlussfolgert, die Serie erhöhe sogar die Gewaltbereitschaft der Kinder, die die Gesellschaftskritik dahinter noch nicht verstehen können. Diese Behauptung wird außerdem auch von der Altersempfehlung von 16 Jahren gestützt, die nicht grundlos aufgestellt wurde. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Gewalt in der Serie, verbunden damit, dass es in einer vertrauten Umgebung, nämlich bei Kinderspielen, passiert, zu falschen Assoziationen bei Kindern kommen kann. Das wurde auf den Pausenhöfen deutlich. Denn plötzlich geht es nicht mehr nur noch ums Gewinnen oder Verlieren bei den Spielen, sondern um Bestrafung und Gewalt gegen die, die es nicht schaffen und nicht gut genug sind. Es wird also mehr als deutlich, dass „Squid Game“ eine Gefährdung für die Entwicklung der Kinder darstellt, denn diese sind nicht in der Lage die gezeigten Bilder zu verarbeiten. Somit ist auch Vorsicht bei den Eltern geboten, die ihre Kinder schnellstmöglich über die Serie aufklären und warnen sollten.
Quelle-Titelfoto: Noh Juhan | Netflix
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